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Wirtschaftswissenschaftler und Juristen untersuchen Risiken der Eurozone:

Volkswagenstiftung fördert interdisziplinäres Großprojekt mit rund einer Million Euro

Wie können wirtschaftliche und soziale Risiken der Eurozone künftig nach nachhaltigen, rechtlich und politisch legitimierten Mechanismen verteilt werden? Dieser Frage gehen Ökonomen und Rechtswissenschaftler der Universität Tübingen in einem neuen Großprojekt nach. In dem interdisziplinär und international angelegten Projekt „Risk Sharing in the Euro Area“ forschen sie die kommenden vier Jahre mit Kollegen von der Bocconi-Universität in Mailand und der Aristoteles-Universität Thessaloniki.


Das Gesamtprojekt beruht auf der Erkenntnis, dass sich die im Europäischen Recht vorgesehenen, beschränkten Risikoverteilungsmechanismen in der zurückliegenden Wirtschafts- und Währungskrise als nicht nachhaltig erwiesen haben. Die geförderten Einzelprojekte gehen den rechtlichen und institutionellen Gründen hierfür nach und untersuchen exemplarisch Einzelfragen in drei Forschungsdimensionen: den europäischen Finanzmärkten, der Fiskalpolitik sowie der Migration von Arbeitskräften im Binnenmarkt. Die Fragestellungen werden empirisch, theoretisch rechtsvergleichend und rechtsökonomisch untersucht.


Antragsteller und Projektleiter an der Universität Tübingen sind Gernot Müller, Inhaber des Lehrstuhls für Geld und Währung und Wilhelm Kohler, Inhaber des Lehrstuhls für Internationale Wirtschaftsbeziehungen und Europäische Integration an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät sowie Jens-Hinrich Binder, Inhaber des Lehrstuhls für Bürgerliches Recht, Handels- und Wirtschaftsrecht, und Martin Nettesheim, Inhaber des Lehrstuhls für Staats- und Verwaltungsrecht, Europarecht und Völkerrecht. Das Projekt wird von der Volkswagenstiftung im Rahmen des För-derprogramms „Herausforderungen für Europa“ mit 998.900 Euro gefördert. Mit dem Geld werden an den beteiligten Lehrstühlen und Partneruniversitäten Nachwuchsstellen, Projektworkshops in Tübingen, Mailand und Thessaloniki sowie eine internationale Abschlusstagung an der Universität Tübingen im Jahr 2021 finanziert.


Die beteiligten Wissenschaftler sind sich einig: „Mit unserem Vorhaben werden wir inhaltlich und methodisch Neuland betreten.“ Gerade die in dieser Form seltene Zusammenarbeit von Ökonomen und Juristen wurde im Begutachtungsprozess besonders positiv bewertet. Mit dem Gemeinschaftsprojekt bauen die beteiligten Tübinger Wirtschafts- und Rechtswissenschaftler seit längerem bestehende Kontakte zwischen ihren beiden Fakultäten aus.

Jens Binder / Antje Karbe

Kontakt:

Prof. Dr. Jens-Hinrich Binder, LL.M.
Universität Tübingen
Juristische Fakultät
Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Handels- und Wirtschaftsrecht, insbes. Gesellschafts- und Kapitalmarktrecht
Telefon +49 7071 29-76119
lehrstuhl.binder[at]jura.uni-tuebingen.de